VN- Magazin am 4. April 2003
Prinzessinen, Geister und Schamanen
Ein informativer Besuch im Comic Art auf den Spurender japanischen Mangas
Der Comic Art-Shop in Dornbirn ist ein Treffpunkt der Manga-Society. Vor allem wenn neue Bände erwartet werden, sind die Manga Fans nicht zu bremsen. Die VN hat einen Besuch gewagt.
Im Comic-Shop angekommen, steuere ich auf ein verdächtiges Taschenbuch zu. Das muss wohl ein Manga sein. Die großen, überzeichneten Augen eines Kämpfers fixieren mich vom Cover aus. "Du hältst das verkehrt", sagt ein Mädchen zu mir. "Das liest man von hinten". Dankbar für den Hinweis drehe ich das Taschenbuch um und habe ein "Aha-Erlebnis."
Witzig und geisterhaft
"Dragonball ist doch schon uralt", Theresa ist Manga-Fan und weiß Bescheid. So oft sie kann, besucht die den Comic Art-Shop in Dornbirn, durchstöbert die Neuerscheinungen, harrt der Fortsetzungsbände. "Einer meiner liebsten Mangas ist "Shaman King". Der ist gut gezeichnet und vor allem witzig." Neugierig nachgefragt, erfahre ich mehr zu "Shaman King". Der junge Schamane Yo will Schamanenkönig werden. Auf dem Weg dorthin gilt es einige geisterhafte Kämpfe zu bestehen.
Fantasie und Kunst
"Die Fortsetzungen von Shaman King kommen leider nur einmal im Monat, aber der Titel, ist sehr beliebt", die Comicladen- Besitzern Dorothea Kummer leidet mit ihren jungen Kunden. "Die Kinder sind schon immer ganz gierig auf die neuen Folgen, sie wollen wissen, wie die Geschichten ihrer Helden weitergehen."
Und nicht nur die Kinder, auch der 16-jährige Stefan ist ein Manga-Fan. "Ich bin, einfach von den Zeichnungen fasziniert, mit welcher Sorgfalt und Detailtreue die angefertigt sind, das ist für mich Kunst." Er mag "Magic Knights Rayearth", eine Geschichte über drei Mädchen, die in die Phantasiewelt Cephiro entführt werden, wo sie eine Prinzessin retten sollen. Stefan scheint gut informiert in de Manga- und Animeszene: "Ich bin viel im Internet unterwegs. Da gibt es Unmengen von Foren." Na ja, auch ich hab schon einiges über Mangas erfahren und beherzt bitte ich die beiden "richtigen Fans": "Sucht mir doch ein gutes Manga aus, ich werd' da auch einmal reinlesen."
Gesagt getan und mit dem ersten Manga meines Leben verlasse ich den Shop. Um am nächsten Tag meine Neuerwerbung stolz herzuzeigen und mich sagen zu hören: "Du hältst das verkehrt. Das liest man von hinten."
Micky Maus hat aus ausgedient
Neue Comic-Helden entspringen Fantasiewelt der Mangas
Dornbirn, Paralleluniversum.
Die meistverkauften Comics sind "Mangas" (japanische Comics) "Pokemon", "Sailor Moon", "Dragon Ball" & Co. haben in Europa einen Mangaboom eingeleitet, der seinen Höchststand noch lange nicht erreicht hat.
Seit Ende der Neunziger überschwemmen sie auch die österreichischen Comicläden: die Mangas. Schlägt man sie wie ein herkömmliches Buch auf, wird man staunen. Nichts ergibt Sinn. Kein Wunder, denn Mangas haben ihre eigenen Regeln. Sie werden, nach der Lesrichtung in ihrem Ursprungsland Japan, von hinten nach vorne und von rechts nach links gelesen.
Sagenwelten
Die utopischen Mangageschichten basieren nicht selten auf alten japanischen Sagen. In Phantasiewelten und in Parallel-Universen kämpfen die Helden und Heldinnen in rasanten Bildern gegen das Böse und die Unterwelt. Wer jetzt die einfach zu durchblickenden Schwarz-Weiß Stereotypen der westlichen Comics erartet, wird sich wundern. Die Held(i)nnen der Mangas müssen nicht selten gegen die Dämonen in sich selbst oder gegen besessen Freunde kämpfen. Die Figuren, meist ganz "normale" Teenager, lernen aus ihren Erfahrungen und entwickeln sich.
In Japan blicken Mangas zwar auf eine jahrhundertelange Tradition zurück, zum einträglichen Exportartikel wurden die gezeichneten Fantasiewelten jedoch erst in den vergangenen Jahrzehnten. Auf Mangas basierende Kinofilme (Anime) wie "Dragonball" und "Pokemon" sorgten für Breitenwirkung und infizierten Kinder und Jugendliche mit dem Manga-Fieber. Deutsche Verlage wie "Carlsen Comics" machen mittlerweile gigantische Umsätze. "Dragonball" wurde über 5,5 Millionen Mal verkauft.
Für alle das Richtige
"Mangas schließen einfach eine Marktlücke", meint die Dornbirner Comicladen-Besitzerin Dorothea Kummer. Egal, ob Fantasy-Geschichten für Mädchen, ScienceFiction-Stories für Jugendliche oder erotische Mangas für Erwachsene. Mangas gibt es für jeden und jede und ihr Siegeszug ist wohl kaum mehr aufzuhalten.
Mangas, die Klassiker
Akira: der Erwachsenenklassiker unter den Mangas. "Akira" ist der erste Manga, der ins Deutsche übersetzt wurde. Seit den Achtziger Jahren in Europa im Handel, könnte "Akira" als Stein bezeichnet werden, der die Manga-Welle ins Rollen brachte. Mit einem nie da gewesenen Budget für einen japanischen "Billigfilm" feierte "Akira" 1989 einen unglaublichen Erfolg als erstes westliches "Anime" und erlangt Kultstatus.
Dragonball: schürte das Manga- und Animefeuer zu einem Flächenbrand. Auf RTL II ausgestrahlt, ist dieser Manga der erste, der ein breites Zielpublikum erreichte. Die Story basiert auf einer alten japanischen Sage, die von sieben Zauberbällen erzählt. Mittlerweile gibt es vier verschiedene Zweige: die Szenarien werden in den "Fortsetzungen" ins Weltall und in diverse Phantasiewelten ausgedehnt. Dragonball Z läuft zurzeit in den österreichischen Kinos.
Erstaunlich aber wahr: auch Wickie, Biene Maja und Heidi sind streng genommen Anime. Die Geschichten sind zwar europäisch, die Filme wurden jedoch in den Trickfilmstudios in Japan produziert.
(VN-mhe)
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