Animeboard Austria: Der Spiegel über Anime - Animeboard Austria

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Der Spiegel über Anime *WÜRG*

#1 Mitglied ist offline   Opa Hino 

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  Geschrieben 24 June 2002 - 23:31

Original-Artikel: "Der Spiegel"
---
Manga Chutney

Von Jörg Böckem und Christoph Dallach

Comics waren immer Männersache. Bis japanische Manga auf den Markt kamen. Nun verlangen auch Mädchen nach den Bildergeschichten über Sex, Gewalt und Romantik.

Bei ihrem erstem Besuch in der japanischen Bilderwelt hatte sie sich noch verirrt. Das war vor vier Jahren, Birthe Claußen war damals zwölf Jahre alt, und ihr erstes japanisches Comic las sie noch, wie sie es gewohnt war, von vorn nach hinten und von links nach rechts. Aber das war ein Fehler. Denn "Dragon Ball", die Geschichte eines kleinen Jungen, der sich auf der Suche nach sieben magischen Drachenkugeln durch die Welt kämpft, amouröse Abenteuer erlebt und erwachsen wird, war der erste Manga, wie japanische Comics genannt werden, der auch hier im authentischen Layout erschien. Das heißt, er musste entgegen allen deutschen Gewohnheiten von hinten nach vorn und von rechts nach links gelesen werden.
Obwohl sie also nichts begriff, war Birthe begeistert. "Solche Zeichnungen hatte ich noch nie gesehen", sagt die Hamburgerin, "die Bilder waren rasant, die Figuren niedlich und die Geschichte schien wirr, aber sehr lustig zu sein." Heute stapeln sich in Birthes Schränken die gesamten 42 Bände der Serie, neben Hunderten anderer Manga, die die Schülerin mittlerweile gesammelt hat. An den Wänden ihres Mädchenzimmers hängen selbst gemalte Porträts ihrer liebsten Comic-Helden. "Dragon Ball" ist bis heute mit einer Gesamtauflage von mehr als sechs Millionen in Deutschland ein Bestseller der Szene - der auch verfilmt wurde und nach "Wetten, dass ...?" die derzeit beliebteste Abendsendung bei 3- bis 13-Jährigen ist.

Der Comic sorgte dafür, dass der ewige Geheimtipp Manga in Deutschland zum Massenphänomen wurde. Mittlerweile erscheinen jeden Monat rund 50 verschiedene Serien, einzelne Titel erreichen Auflagen von 200 000 Stück und haben selbst altgediente Comic-Veteranen wie Superman und Spider-Man längst überflügelt. Beim Hamburger Carlsen Verlag, der Heimat von "Tim und Struppi" und "Gaston", machen die Bildergeschichten aus Fernost mittlerweile den größten Teil des Comic-Umsatzes aus. "Das ist ein dramatischer Umbruch", sagt Carlsen-Verlagsleiter Joachim Kaps, "mit den Manga haben wir endlich wieder einen wachsenden Markt und erreichen ganz neue Zielgruppen."

Mädchen wie Birthe und ihre Freundin Marie-Christine zum Beispiel, die ihr Taschengeld für Manga-Serien ausgeben. Zum ersten Mal brechen Mädchen damit mit Macht in die traditionelle Jungsdomäne der Comics ein, einzelne Serien werden sogar mehrheitlich von Mädchen konsumiert. Und dabei beschränken sie sich nicht klischeegerecht auf niedliche Tier- und Romanzencomics, sondern begeistern sich auch für bluttriefende Action und drastische Sexdarstellungen. Birthes aktueller Favorit ist "Berserk", eine Serie, die auf jeder Seite hält, was ihr Titel verspricht. "Manga sind einfach vielschichtiger als herkömmliche Comics, das gilt auch für Sex- und Gewaltdarstellungen", sagt sie, "'Berserk' ist ziemlich brutal, aber eigentlich sehr romantisch." Ihre Freundin Marie-Christine begeistert sich nicht nur für die Exotik der japanischen Fantasy- und Alltagswelten. Sie ist besonders fasziniert von der Mehrdeutigkeit der Manga-Charaktere: Oft ist weder das Geschlecht der Comic-Helden klar, noch sind sie eindeutig gut oder böse. Der männliche Held ihrer Lieblingsserie "Ranma 1/2" etwa verwandelt sich in ein Mädchen, wenn er mit kaltem Wasser in Berührung kommt.

Die beiden Freundinnen sind mit ihrer Begeisterung nicht allein. "Fast alle Manga-Fans, die ich kenne, sind Mädchen", sagt Marie-Christine, die neben den Comics auch japanische Trickfilm-DVDs sammelt. Der besondere Erfolg bei der weiblichen Zielgruppe lässt sich auch dadurch erklären, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Comic Frauen als Produzenten eine tragende Rolle spielen - auf dem amerikanischen und europäischen Markt nahezu undenkbar. Manga werden in Japan in der Regel von Zeichenstudios produziert, Clamp, eines der erfolgreichsten und angesehensten weltweit, wird nur von Frauen geführt. Neben den fein ziselierten Zeichnungen glänzt das Studio mit einer stimmigen Verbindung von Action, Sex, Alltagsdramen, Fantasy, Witz, Charme und aufwendiger psychologischer Charakter-Entwicklung.

Die Bandbreite reicht von gelupften Röcken bis zu Sado-Maso

Die Darstellungen von Sex und Erotik sind nicht nur beinahe allgegenwärtig, sie sind auch enorm facettenreich. Die Bandbreite reicht bei Manga für Schulkinder von gelupften Röcken, die den Blick auf Mädchenslips erlauben, bis zu Duschszenen; Manga für Ältere zeigen Sado-Maso, Inzest und Nekrophilie oder auch Monster, die mit mutierten Tentakeln Schulmädchen penetrieren. Auch homoerotische Momente finden sich oft. Selbst in "Sailor Moon", einem klassischen Comic für kleine Mädchen, verlieben sich die jungen Heldinnen ineinander und tauschen heiße Küsse aus. Genauso beliebt bei den weiblichen Leserinnen sind Manga, die homoerotische Beziehungen zwischen Männern thematisieren. Wie zum Beispiel die Serie "Zetsuai", die von einem erfolgreichen Popsänger erzählt, der dem männlichen Objekt seiner Begierde obsessiv nachstellt und auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. "Mädchen in diesem Alter wissen oft noch nicht allzu viel über Jungs", erklärt der Manga-Zeichner Asuka Rei, "sie fühlen sich da ein wenig verängstigt. Aber eine Liebesgeschichte zwischen zwei Jungs können sie genießen, ohne nervös zu werden, weil sie nichts mit ihrem Leben und ihrer Sexualität zu tun hat." Nebenbei schätzen Mädchen wie Marie-Christine und Birthe aber auch schön gezeichnete Jungskörper.

Die Bildgeschichten als solche und darin die explizite Darstellung von Pornografie haben in Japan Tradition. Im 19. Jahrhundert bezeichnete Meister Katsushika Hokusai seine Sammlung von Holzschnitten, die humoristische Alltagsszenen zeigten, als "man-ga", eine Zusammensetzung der Schriftzeichen für "impulsiv" und "Bild". Heute sind Manga schon lange selbstverständlicher und unverzichtbarer Bestandteil der japanischen Alltagskultur. Längst hat die expressive Bildsprache der Manga auch den Westen infiziert - Videospiele, TV-Serien, Werbespots, Mode und zeitgenössische Kunst (wie ab 27. Juni bei der Ausstellung "Coloriage" in der Pariser Fondation Cartier zu sehen).

Sex spielte von Anfang an eine tragende Rolle in japanischen Bildern. Schon im 18. Jahrhundert erfreuten sich so genannte Shunga, erotische Holzschnitte mit expliziten Sexdarstellungen, großer Beliebtheit, in denen die Körper der Menschen meist nur unbedeutende Anhängsel enormer Genitalien waren. Heutzutage produziert die repressive Leistungsgesellschaft des modernen Japan große Begeisterung für alle Spielarten der Sexualität. Für westliche Leser absonderlich anmutende Vorgänge erklären sich auch aus der Gesetzgebung - so war Homosexualität in Japan meist nicht gesetzlich verboten und lange nicht gesellschaftlich geächtet. Die Darstellung von Schamhaaren ist dagegen untersagt, ebenso dürfen Genitalien von Erwachsenen nicht naturalistisch gezeichnet werden - die von Kindern und Phantasiegestalten dagegen schon. Das erklärt die zahllosen Geschichten, in denen Monster ihre Tentakel in Schulmädchen versenken. Die Darstellung der Sexualität wird auch gern mit philosophischen und psychologischen Elementen verwoben, mit den zeitlos modernen Fragen nach Macht und Abhängigkeit, Identität und Intimität.

Und das ist es, was Mädchen wie Birthe und Marie-Christine fasziniert. "Wer sich auf die Geschichten einlässt, wird mehrere Ebenen entdecken", sagt Marie-Christine, "es geht auch immer um Themen wie Freundschaft und die Probleme des Erwachsenwerdens."

Und wenn die beiden erwachsen sind, dann wartet schon die nächste Manga-Kategorie auf sie: die so genannten Lady Comics, in denen es um Affären zwischen Arbeitskollegen geht und um die heimlichen Eskapaden von Hausfrauen.
---
Auf der Website gibt es auch einen Link: "Leserbrief schreiben"
Vor etwaigen Eintragungen bitte:
- tief durchatmen
- kalte Dusche nehmen
- sachlich bleiben
Diese Schreiberlinge ("Journalisten" währe wohl übertrieben) anzuflegeln schadet unserer Sache nur noch mehr.


:>-(:   :>°(:  :pcrying:
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#2 Mitglied ist offline   Jay-san 

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  Geschrieben 25 June 2002 - 08:22

MUAHAHAHAHAHAH

Da kommt das Wort Manga-Porno´s ziemlich zur
Geltung.
Sex Sex Sex Sex Sex Sex.
Nur das sehen die "wi***er" von diesem Artikel.
Und Blutrünstig.  :gn:
Wenn alle Manga´s Sex, horror, Action und Blutfliessen hat
frag ich mich was mit z.B. Tsubasa ist.
"Er bollert den Ball über den Platzt und erwischt ein kleinen
Jungen auf den Kopf. Dieser platzt und ein Monster kommt rausgeschossen und versucht ihn zu töten."
:@_@:

Scheint das der Typ einen auf den Trip ist.
Woll gegen Japaner und denkt das wer solche Manga´s
rausbringt muss der Charakter genau so sein. Also
Petofil (Wie auch immer geschrieben), Attentäter
höchstenmassens, Inzest, Vergewaltiger, usw..
:>°(:
Wenn das stimmt dann kann es kein Japan mehr geben
weil sich die ganze Kultur sich selbst ausradierte.
Tolle Berichtserstattung.

Ach!!! Wenn ich meine Fansubs kriege kann von mir aus Europa verrecken ohne Anime´s und Manga´s.

MFG

Ein aufgeregter Fansubb leecher

:thumbsup: :oi:
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#3 Mitglied ist offline   Jay-san 

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Geschrieben 25 June 2002 - 08:37

*schaut sich die Seite an mit den Pic*
Manga´s sind gleich Hentai´s?

JIPIE
Manga Porno´s an den Vormarsch.
:>°(:
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#4 Mitglied ist offline   Duplica 

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Geschrieben 25 June 2002 - 09:29

oja.. wir sind auch alle so schmutzig und pervers... echt da tauchen neue vorurteile auf- krass! soviel kreativität muss man ja mal haben! und wie toll die recherchiert haben! WOW! meine Oma könnts nicht besser *g*

echt- wenn ich sowas lese weiß ich nicht ob ich Lachen oder heulen soll! :@_@:
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#5 Mitglied ist offline   Opa Hino 

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  Geschrieben 25 June 2002 - 10:25

Das Ganze hat noch ein Nachspiel, Carlsen Comics hat daraufhin folgendes entgegnet:
---
Offener Brief an die Redaktion Kulturspiegel
Bezug: Titelthema im Kulturspiegel Nr. 7/2002

Hamburg, 24.06.2002

DEN KOPF IN DER LEDERHOSE?
Deutsche Verleger sind gänzlich unwild auf miese Aufmacher im
Kulturspiegel

Liebe Kollegen und Kolleginnen vom SPIEGEL!

Dafür, dass auch der SPIEGEL sich den Gesetzen des Marktes unterwerfen
muss, die er ansonsten gerne kritisiert, habe ich ja ein gewisses
Verständnis. Dafür, dass man sich zum Erreichen besserer Absatzzahlen
gezielt der Desinformation bedient und damit ein Genre der
Jugendliteratur in Bausch und Bogen diskreditiert, mag ich jedoch nicht
das geringste Verständnis haben.

Was sich Ihre Autoren Jörg Böckem und Christoph Dallach in der neuesten
Ausgabe des Kulturspiegels geleistet haben, ist an Peinlichkeit wohl
kaum noch zu überbieten. Schon der Titel »Liebesgrüße aus Tokyo«
(Witzig! Witzig! Da hört man die Lederhosen der 60er Jahre krachen...)
sagt in der Kombination mit der unerträglichen Unterzeile »Deutsche
Mädchen sind ganz wild auf japanische Sex-Comics« weit mehr über die
Interessen der Redakteure als über deutsche Manga-Leser und -Leserinnen
aus.

Da hätte man nun die Chance gehabt, sich bei der Auseinandersetzung mit
dem Phänomen Manga gegenüber der nicht minder peinlichen
Berichterstattung im FOCUS von vor wenigen Wochen positiv abzusetzen,
und dann das: Statt sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, warum
sich so viele Jugendliche mit einer solchen Begeisterung den Manga
zuwenden, lassen die beiden Autoren ihre Köpfe durch feuchte
Schulmädchenschlüpfer wandern und braten zum tausendsten Mal das alte
Märchen neu auf, alle Manga seien von Sex und Gewalt bestimmt. Damit
befriedigen sie allenfalls beim Kulturspiegel-Leser jene niedrigen
Reize, die sie den Manga-Leserinnen unterstellen wollen, und stellen
ansonsten vor allem eines unter Beweis: Dass sie nicht einmal versuchen
wollen, das Phänomen Manga zu begreifen.

Manga überzeugen ihre Leser und Leserinnen gerade durch ihre thematische
Vielfalt, die gute Charakterisierung der Figuren und neue
Erzählstrukturen, die unserer Zeit entsprechen, aber eben nicht durch
das simple Spiel mit Schlüsselreizen. Manga-Autoren nehmen ihr Publikum
ernst, und wissen daher, dass junge Leser sich nicht allein durch die
platte Inszenierung von Sexualität begeistern lassen. Wie schade, dass
der Kulturspiegel diesen Respekt vor seinen Lesern offensichtlich nicht
mehr hat.

Da wird denn selbst unserem unschuldigen Son-Goku aus der Serie DRAGON
BALL unterstellt, er habe »amouröse Abenteuer erlebt«, von denen er bis
heute noch träumen muss. Und weil man in der Serie keine Belege dafür
findet, wird dieser Text dann eben kurzerhand mit einem Motiv aus einer
anderen Serie illustriert - frei nach dem Motto: »Macht ja nix, die
Spiegel-Leser kennen ohnehin keine Manga-Serien und merken das nicht.«
Einer der wenigen Sätze, die in dem Artikel zu Recht stehen, ist dann
noch der: »Die Darstellungen von Sex und Erotik sind (...) beinahe
allgegenwärtig.« - Nur darf man ihn eben nicht auf Manga, sondern muss
ihn auf die Ergüsse (Sehen Sie? Ich kann auch so witzig sein!) der
Autoren beziehen, die ihre eigene Fantasie ganz offensichtlich einer
Betrachtung der tatsächlichen Inhalte vorziehen.

Mit Recht protestieren die deutschen Manga-Fans gerade im Internet gegen
diesen unsachlichen und verzerrenden Artikel. Man kann sich nur
wünschen, dass sie alle sich gut einprägen, wo sie ihn gelesen haben,
und sich einem Medium, dass sie nicht verstehen will, in Zukunft
entziehen.

Gute Besserung wünscht

Dr. Joachim Kaps
Carlsen Comics
Verlagsleitung
---
:thumbs:
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#6 Mitglied ist offline   Jay-san 

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Geschrieben 25 June 2002 - 11:17

lol

Der Typ ist geil.

Hab ein Leserbrief abgeschickt und sie bezichtigt
die Materialien für ihre Rechersche in den Pornoladen
gehollt zu haben wie fast alle anderen Reportagen die
so die Manga und Anime Szene verallgemeinern
:thumbs:

Meine Fresse. Ich find das so geil.
:thumbsup:
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#7 Mitglied ist offline   FallenAngel 

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  Geschrieben 25 June 2002 - 11:19

Dass man nicht einfach die Augen zu machen und zum nächsten Artikel blättern sollte, ist mir schon klar... aber ich bezweifle an dieser Stelle mal stark, dass solche offenen Briefe von der Redaktion weiter beachtet werden... :sad:
Frisch aus Japan: Gothic Elegant Lolita Bluse, Import-Artbooks, Merchandising, aber auch anderes ^_^


Eagerly I wished the morrow;- vainly I had sought to borrow
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#8 Mitglied ist offline   BattleMage 

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Geschrieben 25 June 2002 - 15:40

Hmmm... arm. Das is mal mein einziger Kommentar zum Artikel.

²FallenAngel
Damit hast du auf jeden Recht aber meinst du wirklich ein offener und sachlicher Brief hätte mehr gebracht? Dieser zeigt wenigstens mal dass sich auch Carlsen-Mitarbeiter auch mit Manga auskennen und sich nicht nur einfach die beliebtesten serien einkaufen (das erinnert doch an einen gewissen dt. TV-Sender....), außerdem trägt sowas auch mal zus Belustigung bei und ich denke eh dass der Brief eher für die Fans als für die Verantwortlichen gemacht war.
Also von mir ein fettes  :thumbs: für Joachim Kaps!
"Das heisst, damit könnte man einen Atomangriff auf die USA starten?" "Ja, aber man könnte sie auch für böse Dinge benutzen"

#9 Mitglied ist offline   Duplica 

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Geschrieben 25 June 2002 - 17:42

auch EMA hat jetzt einen Brief geschrieben:

Liebe Kolleginnen und Kollegen vom SPIEGEL!

Mir ergeht es ähnlich wie dem Kollegen Joachim Kaps vom Carlsen Verlag. Hatte ich den Artikel im FOCUS über das Phänomen Manga vor einigen Wochen noch als Paradebeispiel für schlecht recherchierten Journalismus gehalten und mich trotz eines gewissen Ärgers köstlich amüsiert über platte Vorurteile und Altmännerdenken, muss ich nun leider feststellen, dass der SPIEGEL gemäß dem Motto "gib dem Affen Zucker" sogar noch in der Lage ist, diese Art von Berichterstattung zu toppen.

Es wird weniger analysiert, warum Heerscharen von Kindern und Jugendlichen der Faszination der japanischen Jugendkultur erliegen und zu tausenden die Bildergeschichten aus unserem Hause und dem Hause Carlsen förmlich verschlingen bzw. täglich den Sender RTL2 einschalten, um sich von den dort ausgestrahlten Animes unterhalten zu lassen. Vielmehr wird wieder einmal mehr den seit Jahren gehegten Klischees Nahrung gegeben. (Wieso eigentlich fehlt der Hinweis auf die berühmt-berüchtigten Automaten, aus denen der geneigte japanische Durchschnittsperverse für ein paar Yen gebrauchte Mädchenslips ziehen kann?).

"Sex sells" sagt sich wahrscheinlich auch der SPIEGEL und garniert seinen in diese Richtung verfaßten Artikel dann auch mit dem entsprechenden Bildmaterial, vergisst dabei aber völlig, auf die Themenvielfalt der Manga einzugehen, die unsere Kinder wieder zum Lesen bringen, und zu diskutieren, warum Manga auf einmal auch Mädchen zum Medium Comic führen. Auch die Chance, den Unterschied der westlichen zur japanischen Kultur zu erörtern und daraus Rückschlüsse auf Generationskonflikte zu ziehen, wird leider gänzlich vernachlässigt. Schade, denn interessante Ansätze in Ihrem Artikel gehen letztlich in Plattheiten unter.

So werden "Pokémon"-Sammler, "Sailor Moon"-Romantiker und "Dragonball"-Abenteurer (um nur einige wenige Serien zu nennen) zu sexhungrigen Jugendlichen, die nur noch eins im Kopf haben...

Ich denke, dass ich auch im Namen meines Kollegen Kaps spreche, wenn ich Ihnen und den beiden Autoren, Jörg Böckem und Christoph Dallach, kostenlosen Nachhilfeunterricht in Sachen "Deutsche Jugend und die Faszination Manga" anbiete.

Ansonsten: Setzen! Sechs!

Georg F.W. Tempel
Egmont Manga & Anime Europe
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#10 Mitglied ist offline   Duplica 

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Geschrieben 25 June 2002 - 17:42

Ich finde es gut wenn sich die Fans und VErlage zusammentun! nur viele mails schreiben *hrhr* Wir ziehen ja alle am selben strang ^^"
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#11 Mitglied ist offline   Gika 

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Geschrieben 25 June 2002 - 17:52

JO UND EFWE RULENNNNN!
.. yay .. ich liebe meine 2 lieblingschefs ^^;
*g* ..
de la limbo!

#12 Mitglied ist offline   Shinji-kun 

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Geschrieben 25 June 2002 - 18:55

Der Artikel von Spiegel ist schon lächerlich  :thumbsup: Hmm solche Artikel sind nochimmer dran schuld das man als Anime/Manga-Fan komisch angschaut wird :(.

#13 Mitglied ist offline   Opa Hino 

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Geschrieben 25 June 2002 - 19:02

@Fallen Angel:

Zitat

ich bezweifle an dieser Stelle mal stark, dass solche offenen Briefe von der Redaktion weiter beachtet werden

Ich glaube schon, immerhin kommen die Briefe nicht von irgendeinem minderjährigen DB-Fan, sondern von den Verantwortlichen der 2 größten Comic-Verlage Deutschlands.
:love:
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#14 Mitglied ist offline   Kenshin 

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Geschrieben 25 June 2002 - 20:09

Ich finde das ist ja doch kein wunder dass die Leute zu mir alle Sagen (in der Schule) dass ich voll  der Porno Freak bin.Oder andere wo ich grad auf der vox anime Site bin sagt heut mittag einer zu mir ah ist das DB.Ich hätte ausflippen können.

#15 Mitglied ist offline   BattleMage 

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Geschrieben 25 June 2002 - 21:18

Zitat


Zitat

Ich glaube schon, immerhin kommen die Briefe nicht von irgendeinem minderjährigen DB-Fan, sondern von den Verantwortlichen der 2 größten Comic-Verlage Deutschlands.

Naja, beim zweiten Brief mag das wohl zutreffen aber aus dem ersten konnte man vielzuviel die blanke Wut von Joachim Kaps heraus erkennen als dass man auf sowas ernsthaft reagieren würde. Da gibts einfach zuviel über das man bei möglicher Reaktion 'herziehen' kann...
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#16 Mitglied ist offline   Raptor 

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  Geschrieben 25 June 2002 - 22:31

Zitat

(1)Denn "Dragon Ball", die Geschichte eines kleinen Jungen, der sich auf der Suche nach sieben magischen Drachenkugeln durch die Welt kämpft, amouröse Abenteuer erlebt und erwachsen wird.

(2)oder auch Monster, die mit mutierten Tentakeln Schulmädchen penetrieren.

(3)Selbst in "Sailor Moon", einem klassischen Comic für kleine Mädchen, verlieben sich die jungen Heldinnen ineinander und tauschen heiße Küsse aus.

(4)Längst hat die expressive Bildsprache der Manga auch den Westen infiziert.

[Meine lieblingsstellen aus dem Artikel!]

[Hier meine Antworten He He He....**reibt sich die Finger**]


(1)Was Son-Goku hat amouröse Abenteuer erlebt,das
ich nicht gleich anfange zu Lachen.:gn:

(2)Diese Spiegel-Journalisten mögen Hentai.:smug:

(3)Ich kenne Sailor Moon,da hab ich aber nix von dem
gesehen was die so behaupten. :>-(:

(4)Ich wusste nicht das Manga eine Krankheit ist,
sollte man nicht die WHO Alamieren??
Wenn das keine Gefahr für den Planeten ist!:thumbsup:

Muhahahahaha............
Dieser Spiegel-Artikel ist absoluter Schrott.
Diese Journalisten sollten vielleicht über einen
Berufswechsel nachdenken.Naja wider ein
Sinnloser Beitrag fürs Sommerloch.
Schade ist nur das solche Artikel die Anime&Manga-Fans
unnötig in verruf bringen.

Es ist auffallend das sehr oft das Wort Sex(10x)und andere Erotische begriffe in diesen Artikel verwendet werden offenbar das lieblings Thema dieser Journalisten.

#17 Mitglied ist offline   Opa Hino 

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Geschrieben 26 June 2002 - 00:01

@BattleMage: Von " blanker Wut" kann keine Rede sein. Die Antwort ist lediglich bissig formuliert und man spürt die deutliche Verärgerung des Autors - das ist sein gutes Recht.
Ich möcht gar nicht wissen, was die Leut vom Spiegel von "echten" Otakus zu hören (lesen) bekommen.
Anyway: Die Manga-Divisions von Egmont und Carlsen dürften den Spiegel sowohl an Lesern als auch an finanziellem Gewinn bei weitem übertreffen. Vielleicht wars ja auch nur der Neid, der zu diesem dämlichen Artikel führte.
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#18 Mitglied ist offline   Mikhail 

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Geschrieben 28 June 2002 - 09:57

Auch Splashcomics hat einen offenen Brief verfasst:

http://www.splashcomics.de/html....ics.php
Ein Artikel im Kulturspiegel berührt ganz Comicdeutschland - Offener Brief von Splashcomics

Zitat

Sehr geehrte Damen und Herren der Spiegel-Redaktion!

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie die Medien versuchen sich auf Sex und Gewalt einzuschießen. Man sollte doch meinen, daß es in der heutigen Zeit genug davon im Fernsehen und in Zeitungen gibt. Scheinbar haben das manche Redakteure aber noch nicht begriffen. Vielleicht werden sie es durch ihre Scheuklappen, die in dieser Hinsicht kilometergroß sein müssen, auch nie begreifen.

Hätten die Herren "Journalisten" (ich schreibe sie extra in Anführungszeichen, denn das, was hier abgeliefert wurde, ist in meinen Augen kein Journalismus) sich einmal die Mühe gemacht, die komplette Bandbreite der Mangas zu erkunden, wäre kein derart polarisierender Artikel herausgekommen. Natürlich gibt es auch sexuell angehauchte Mangas. Das will ja niemand verhehlen. Aber sie sind nur ein kleiner Bestandteil des Ganzen.

Was würden Zeitungen und Medien machen, wenn ein Kollege einseitig über Terrorismus schreiben würde? Beispielsweise alle Palästinenser über einen Kamm scheren und als Terroristen bezeichnen würde? Es wäre doch einfach nur falsch so etwas zu tun. Bekanntermaßen sind auch sie nur ein Teil des Ganzen. Und so ist es eben einfach auch nur falsch alle Mangas über einen Kamm zu scheren und als reine sexuell angehauchte Geschichten abzuurteilen.

Mangas sind keine Ansammlung von Sex und Gewalt. Sie sind eine Kunstform die nicht nur in Japan sehr beliebt ist. Deutschland, das bisher nicht besonders gut darin war, Comics im Allgemeinen als Kunstform zu akzeptieren, hat durch Mangas endlich aufgeholt. Mangas sind salonfähig geworden. Mangas werden gleichermaßen durch junge Frauen und junge Männer gelesen. Durch sie ist eine Entwicklung angestoßen worden, die seit vielen Jahrzehnten auf ihren Anstoß wartet.

Es gibt wundervolle Geschichten unter den Mangas. Gefühlvoll erzählte Märchen, die Jugendliche wie Erwachsene in ihren Bann ziehen. Als Beispiel wäre die Weltraumsaga "Planetes" von Planet Manga, die ohne Gewalt und Sex auskommt, zu nennen. Humorige Geschichten sind ebenso vertreten. "Ranma ½" oder aber "What's Michael?" von EMA wären solche Geschichten. Da ist Platz für Romantik. Und natürlich Action. Mangas bieten eine derart breite Plattform an verschiedenen Geschichten, an verschiedenen Erzählformen, daß es einfach nicht richtig ist, alles über einen Kamm zu scheren.

Vielleicht ist es die Angst vor dem Neuen und Unbekannten, die die "Journalisten" zurückschrecken lassen. Die Angst, etwas positiv zu bewerten, was sie nicht verstehen und offensichtlich auch nicht verstehen wollen. Die Angst vor dem "Schund" der gezeichneten Bilder. Offenbar ist hier etwas steckengeblieben, was die Eltern ihnen eingetrichtert hatten. "Comics sind schund". Und daher müssen sie in jeder Form niedergemacht werden? Ist es nicht an der Zeit, die Werte der Eltern zu überdenken und zu begreifen, daß nicht alles, was einem da eingetrichtert worden ist, der Wahrheit entspricht? Ist es nicht an der Zeit, über den eigenen Schatten zu springen und sich in die Materie einzuarbeiten?

Um so erstaunlicher empfand ich dann noch die Information, daß die Herren Jörg Böckem und Christoph Dallach offenbar keine Unbekannten im Comicbusiness sind. Sie sind in die Materie eingearbeitet. Sie sollten eigentlich wissen, von was sie schreiben. Das im Hintergrund, ist ihre Leistung in ihrem Artikel eigentlich nur als unterirdisch schlecht zu bezeichnen. Eigentlich schade. Es wäre sehr viel besser gegangen.

Für die Zukunft würden wir uns besser recherchierte Artikel wünschen, die über die Wahrheit und nicht eine Teil-Wahrheit berichten. Der Spiegel ist es sich und seinem Ansehen schuldig.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd Glasstetter
Chefredaktion Splashpages
Das Netzwerk der phantastischen Sites

ehemals Daneel

On a dark way, where nothing exists...two people can...
...maybe find something wonderful...like the moon in the sky.[NGE]

#19 Mitglied ist offline   Jay-san 

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Geschrieben 28 June 2002 - 21:45

Wer den Beitrag von animemexx.de durchgelesen hat
findet einen Link zu einer Englischen Seite

http://www.studiopro...m/mangasex.html

Irgendwie haben die Säcke zu wenig Zeit einen
Artikel zu schreiben und haben schnell von dort
per Copy, Paste & Translate Manga´s erklärt.

Durch schnelles durchlesen hatte an den englischen
Beitrag mehr das Gefühl das Hentai Manga´s angeprangert
waren als Mangas allgemein zu erklären.

@Thema
Ich finds nur lolig. Stürmen wir Stern TV und machen
Günther Jauch und Stern zur Sau.
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#20 Mitglied ist offline   Opa Hino 

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  Geschrieben 30 June 2002 - 18:03

Und noch ein offener Brief, diesmal von der "MangasZene":
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Offener Brief an die Redaktion des kulturSPIEGEL, betreffend Ihren Artikel "Manga Chutney", geschrieben von Jörg Böckem und Christoph Dallach

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

mit großer Bestürzung haben wir Ihren Artikel "Manga Chutney" verfolgt. Durch dieses Stück äußerst bemühten Sensationsjournalismusses wurde Ihr Ruf als seriöses Magazin mit wertvollen Beiträgen getrübt. Wir haben mit Erschrecken beobachten müssen, dass grundlegende journalistische Regeln und die notwändige und gute Pflicht der Recherche bei diesem Werk mit Füßen getreten wurden, nur um einen kurzlebigen und zweifelhaften Effekt auf Ihre Leserschaft auszuüben, der im Endeffekt nur einem der wenigen noch intakten Märkte in Deutschland schadet.

Ihre Mitarbeiter Jörg Böckem und Christoph Dallach schreiben in dem von uns beanstandeten Artikel aus der Sicht zweier Mädchen, wollen daran induktiv ein ganzes Marktverhalten festmachen. Aus ein paar wenigen Aussagen derivieren die Autoren so das Verhältnis aller deutscher Manga-Leser zu japanischen Comics. Dies ist ebenso lächerlich wie nicht tragbar. Sie kämen doch auch nie auf die Idee, anhand der Aussage zweier Grass-Begeisterter auf den gesamten Buchkonsum in Deutschland zu schließen. Aber eben auf diese Weise haben Sie in Hinsicht auf den Comic-Markt gehandelt, scheinbar in dem Glauben, auf dem Rücken von Jugendlichen so handeln zu können. Es kann und wird Ihnen nicht daran gelegen sein, dass dieser Eindruck entsteht. In dieser Form erinnert der Artikel aber an die Sensationsmeldungen der Bildzeitung gegenüber den ersten Jeans-Trägern. Ein solcher Konservativismus, der, wie wir weiter unten zeigen werden, fast vollkommen auf eigenen Vorurteilen gegenüber der Jugendkultur und vor allem der japanischen Gesellschaft beruht, darf nicht in Ihrem Sinne sein, stellt er doch eine deutlich sichtbare gesellschaftspolitische Entwicklung dar, gegenüber der wir Ihr Magazin als eines der letzten Bollwerke erlebt haben.

Die "recherchierten" Fakten jedenfalls sprechen gegen jede journalistische Freiheit. Die vollkommen verdrehten Tatsachen, die Ihre Autoren den SPIEGEL-Lesern präsentieren, stellen die Genrevielfalt des Mangas unter genau eine solche Erscheinungsform. Um Ihnen den Sachverhalt zu verdeutlichen, stellen Sie sich bitte vor, die deutsche Presse und damit auch Ihr Magazin würde über die einschlägigen pornographischen Magazine der Marke "Blitz-Illu" abgeurteilt. Schlimmer wiegt aber, dass Ihre Autoren scheinbar willkürlich sexuelle Andeutungen in Comics hineininterpretiert haben, die diese eben nicht in sich tragen. Weder "Dragonball" noch "Sailor Moon" kann man den "Vorwurf" einer erotischen Szene machen. Die "heißen Küsse" werden verunsicherte Eltern in der Lektüre ihres Nachwuchses mit Sicherheit vergeblich suchen.

Gleichzeitig wird die japanische Kultur von Ihnen extrem einseitig dargestellt, so dass man sich nicht mehr aufregen darf, wenn die deutschen Errungenschaften auf Schuhplattler und Oktoberfest beschränkt werden. Weder besteht die japanische Bild-Kultur vorrangig aus sexuellen Darstellungen, noch spielt dies in der dortigen Gesellschaft eine so viel größere Rolle als hier. Um genau zu sein, kann man die Basis der europäischen Kultur wohl kaum auf homoerotische Auswüchse der altgriechischen Gesellschaft beziehen, auch wenn die Philosophen gerne mal einen starken Jüngling als Statussymbol zum Bett führten. Ebenso können die visuellen Überlieferungen eines japanischen Sexualkults (den wir ebenso in Europa finden können!) nicht als Beispiel für dortige Lebenseinstellungen gelten. Ich muss hoffentlich nicht erwähnen, dass der Kinematograph so ziemlich als erstes für pornographische Darbietungen genutzt wurde, in Europa natürlich.

Wie sehr Ihre Falschdarstellungen von eigenen Vorurteilen belegt sind, zeigen auch die kaum wahren Hintergründe zu den Lieblings-Mangas Ihrer Beispiel-Leserin von der Stange. So kann und darf man "Berserk" nicht alleine in Hinsicht auf die dargestellte Gewalt verstehen, sondern muss auch die umgebene Handlung und Figuren-Konstellation beachten. Gerade wenn man andere Geschichten aus dem Fantasy-Metier hinzunimmt, wird der transzendierende Umgang mit der Helden-Thematik auffallen, was auch durch die Gegenüberstellung der tragischen Figur (des japanischen Samurai-Films in abgewandelter Form) und der gravierenden Gewalt (in sehr symbolbeladener Darstellung, die dem Kabuki-Theater nicht untypisch ist) getragen wird. Das Zeichnerkollektiv CLAMP setzt sich mit Erotik allenfalls nebensächlich, eigentlich gar nicht auseinander. Und die Darstellung von homosexueller Liebe wird von Ihnen grundlegend falsch verstanden, wobei uns auch erschreckt, wie Sie fast schon entrüstet auf diese stilisierte Homosexualität reagieren. Alleine schon die Tatsache, dass eben kaum Homosexuelle Gefallen an diesen Geschichten finden, hätte schon Anlass genug sein müssen, etwas tiefer nachzuforschen. Es stellt sich dann recht schnell heraus, dass gerade hier eine Theaterform den Schlüssel zum (rationalen) Verständnis birgt. Diese sogenannten "shounen-ai"-Comics basieren nämlich auf dem "takarazuka", einem reinen Frauentheater, in welchem westliche Einflüsse der Revue tief mit weiblichen Sichtweisen der perfekten Liebe vermischt werden. In diesem Theater spielen nur Frauen, weshalb auch die männlichen Rollen besonders symbolisch dargestellt werden, als eben stilisierte, nie und nimmer mit der Realität verbundene Ikonen von dem, was junge Mädchen als "Männlichkeit" sehen wollen, gerade weil die beginnende Sexualität auch Ängste produziert, die durch den Mittler "Frau" ausgeschaltet werden. Betrachtet man solche Mangas unter diesen Gesichtspunkten, fällt Ihre These als plumper und undurchdachter Populismus auf.

Überhaupt scheinen Sie kein Interesse am Verständnis der Kunstform Manga zu haben. Immerhin erwähnen Sie die zahlreichen Werke, die über die einfache Unterhaltung erhoben sind, mit keinem Wort. Gleichzeitig werden andere Werke in vollkommen falschem Licht dargestellt, was mit Missverständnissen nicht zu erklären ist. Wir hoffen, dass dieser Artikel auch in Hinsicht auf Ihren Ruf ein einmaliges Vorkommnis bleibt. Schon in Hinsicht auf Ihre häufig positiven Leistungen im polit-journalistischen Bereich möchten wir Sie daher dringlichst bitten, diesen untragbaren Artikel richtig zu stellen. Es kränkt uns weniger als Manga-Sympathisanten, denn als Kollegen, dass Ihnen solch ein Fauxpas unterlaufen ist.

Dieser Brief ist offen und damit auch veröffentlicht worden.

Mit kollegialen Grüßen und Hoffnung auf Besserung,

Ihre MangasZene-Redaktion
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