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AAJ Vortrag #80: "Free-Jazz in Japan, 1960-2005"


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#1 kalumtum

kalumtum

    Wasabi Vernichter

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Geschrieben 11. April 2005 - 09:39

Mo., 18. April 2005, 19:00 Uhr c.t.

SOEJIMA Teruto
(Musikkritiker/Produzent)

"Free-Jazz in Japan, 1960-2005"


Die 1960er Jahre waren weltweit eine Zeit des Umbruchs, sowohl im gesellschaftlichen Bereich als auch in der Kunst. Ein auslösendes Moment war wohl das Bedürfnis der jungen Generation nach neuen Horizonten - und insbesondere nach Freiheit.
Der Free Jazz markiert den radikalsten Bruch in der Geschichte des Jazz - nicht nur was seine innermusikalischen Gestaltungsprinzipien betraf, sondern ebenso hinsichtlich des Wandels im Selbstverständnis seiner Musiker und in der Art und Weise, in der sie die gesellschaftliche Realität um sich herum interpretierten und bewältigten. Auch an Japan ist diese Entwicklung nicht spurlos vorübergegangen.
Während einerseits der Jazz als Unterhaltungsmusik immer mehr an Bedeutung verlor, trat eine neue Generation von Musikern an, die sich von den bisherigen amerikanischen Vorbildern entfernte und nach eigenen Ausdrucksformen suchte. Es ist kein Zufall, dass die die ersten Versuche mit frei improvisierter Musik etwa zeitglich mit den Unruhen rund um die Verlängerung des Japanisch-Amerikanischen Sicherheitsvertrags stattfanden. Auch dass einer der ersten Auftritte des Yamashita Yosuke Trios - das internationale Aushängeschild des japanischen Free Jazz in den 1970er Jahren - in einem Hörsaal der damals gerade von radikalen Studenten verbarrikadierten Waseda Universität stattfand, zeugt von der gesellschaftlichen Sprengkraft dieser Musik.

Soejima Teruto (geb. 1931) hat die Entwicklung des japanischen Free Jazz von Anfang an miterlebt, und schon bald auch mitgestaltet - als Herausgeber einer Jazz-Zeitschrift, Geschäftsführer des ersten Free Jazz Clubs in Japan, Veranstalter des ersten japanischen Free Jazz Festivals "Inspiration & Power 14" (1974), als Produzent von Schallplatten, Gründer des Plattenlabels "Mobis" usw. Herr Soejima hat auch schon in den 1970er Jahren Kontakte nach Europa und Amerika geknüpft und so vielen japanischen Musikern erste Auftritte im Ausland ermöglicht. Er ist nach wie vor als Produzent, Jazzkritiker und Musikmanager tätig (u.a. für die sowohl in Japan als auch in Europa ungemein erfolgreiche Bigband "Shibusa Shirazu"). Sein 2002 erschienenes Buch "Nihon furii jazu-shi" (Die Geschichte des japanischen Free Jazz) hat sich in Japan zum Longseller entwickelt und gilt als Standardwerk.

Eine Reihe von Musikbeispielen werden die Ausführungen begleiten.

Der Vortrag findet auf Japanisch mit deutscher Übersetzung statt.

Institut für Ostasienwissenschaften
Abteilung für Japanologie
AAKH Campus, Hof 2
Seminarraum 1

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("20th Century Boy" von Naoki Urasawa, Planet Manga)