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DJ Krush, World's End Girlfriend, MU...


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#1 Gast_whitegrey_*

Gast_whitegrey_*
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Geschrieben 15. August 2005 - 01:55

so, bin wieder zurück aus Hamburg und Bregenz (~25h im Zug hocken in 3 Tagen *drop*)^^
mit Reviews vom Auftritt dieser drei japanischen Bands am Freitag im Kampnagel (SonarSound, Reihenfolge der Bands as listed!), Kurzfassung kann man es nicht nennen aber gut XD

Vorwort/Story behind: bisher war ich fast ausschließlich auf Konzerten in Österreich was japanische Musik anbelangt - aber inzwischen ist mir Deutschland auch nicht mehr zu weit, Supersnazz letztens in München war ja eher ein "Katzensprung" gegen Hamburg aber wenn gleich drei Bands auftreten und ein großer Name wie DJ Krush dabei ist dann nehme ich die 8-9 Stunden Anfahrt gerne in kauf sofern ich es mir leisten kann (mehr zu den Bands später)... nachdem ich nach der Zugfahrt (die einem mit nem iPod und etwas Schlaf bewaffnet gar nicht so lange vorkommt^^) in Hamburg angekomen war, erspähte ich am Bahnhof ne sehr stylische Sushi-Bar an der ich unmöglich vorbei konnte *drop* XD glücklich über diesen Umstand und mit vollem Magen machte ich mich auf dem Weg zur Kampnagel Music Hall... und ich muss sagen, Hamburg ist die netteste deutsche Stadt die ich bisher gesehen habe, wirklich genial zum einfach so rumlaufen... viel Grün und viel Wasser - da gehen Kanäle direkt durch die Stadt auf denen die Leute gemütlich mit Kajak und Kanu rumpaddeln, und das Kampnagel ist ein altes Fabrikgebiet das zu nem Veranstaltungs-Zentrum umfunktioniert wurde und einfach genial aussieht; Backsteinhalle und rostige, bewachsenen Baukräne/Maschinen usw *smile* bin dann mindestens 2h in der Gegend rumgelaufen weil ich sowieso bald dran war und weils mir so gefallen hat XD

Location/Beginn: Einlass war gegen 21:30 Uhr, Eintritt 18€. Das Kampnagel ist eine riesen Halle mit abgetrenntem Bühnen-Bereich, Cafe, Aufenthaltsbereich usw. schön groß und gemütlich. Anfangs waren noch wenig Leute aber mit der Zeit trudelten immer mehr Personen ein - was mich etwas wunderte war, dass der Altersdurchschitt relativ hoch war... habe eigentlich keine Personen unter 20 gesehen, die meisten eher 25-30. Der eigentliche Konzert-Saal hatte die Bühne, eine größere Tanz-Fläche und in ca. 10m Abstand zur Bühne und Sitzreihen schräg nach oben weil dort auch oft Theater-Vorführungen stattfinden. Schon bei der ersten Band waren die Sitze fast alle besetzt (schätzomativ 200 Plätze), auf der Tanzfläche war noch wenig los... gespielt hat am Anfang das deutsche Trio Hofuku Sochi das bis auf den Bandnamen und die Songtitel nicht wirklich was mit Japan am Hut hat (afaik). Aufgelegt/Gemixt wurde House - ich kenn mich in dem Bereich nicht wirklich aus aber ich fand es äußerst durchschnittlich - sowohl die Musik als auch die Visuals und das Programming (Pausen zwischen den Tracks, hat alles gleich geklungen usw.), es war nicht schlecht - aber das kann ich im Mitternachtsprogramm von diversen Radiosendern genauso haben - insofern nichts Besonderes. Dürfte aber einigen Leuten nicht soo gut gefallen haben was ich mitgekriegt habe... also wars nicht nur mein Eindruck. Wenigstens haben sie es geschafft auch den Bereich vor der Bühne mit ein paar Leuten zu füllen^^

World's End Girlfriend: Als Vorwort - bin erst im Zuge der Vorbereitung zu diesem Konzert-Besuch auf WEG gestossen und habe vorher noch nie was von ihnen gehört, als ich mir aber die Woche zuvor ein mp3 (we are the massacre) gesaugt habe war ich begeistert - Theme-artige Musik zwischen episch und ausfallend wie ich sie in der Form nur selten gehört habe. War mit ausschlaggebend, dass ich unbedingt auf das Konzert wollte - nur wegen Krush alleine wär ich vielleicht nicht gefahren. Nach einer kurzen Pause betraten die 2 Japaner die Bühne - einer nahm hinter dem zuvor unbenutzen Schlagzeug Platz, der andere setzte sich mit seiner E-Gitarre in der Mitte der Bühne hinter ein Pult auf dem ein iBook stand und unter dem einige Effekt-Pedale zu sehen waren... dann begannen sie zu spielen - schwer zu beschreiben, zuerst ganz langsam und leise, dann wieder lauter, immer ein Wechselspiel - die Gitarre hörte sich meistens eher nach Klavier/Orgel an, oft untermalt mit anderen Effekten/Geräuschen - zusamen ergab das geniale Tracks, mit teils unerwateten Wechseln was die Intensität anging... und: ich habe noch nie so nen genialen und faszinierenden Drummer live gesehen - er saß aufrecht hinter dem Set und blickte starr in eine Richtung oder einfach irgendwo hin aber nicht aufs Set während er spielte - auch bei den Parts wo es mehr in Bashing ausartete verblieb er so, nur seine Hände wirbelten in irre Geschwindigkeit links und rechts übers Set... einmal warf er sogar während nem härteren Part den Drumstick wirbelnd in die Luft und fing ihn mit wieder mit der selben Hand auf - spielte inzwischen und danach aber weiter als ob gar nichts gewesen wäre... ich bin nicht schnell beeindruckt aber ich war die ganze Zeit like *WTF* und bekam den Mund fast nicht mehr zu - noch dazu benutzte er keinerlei Noten und auch keinen Rechner mit Taktspur wie man es woanders oft sieht (der an der E-Gitarre spielte teils nach Notenblättern)... die Musik ist wie gesagt eher schwer zu beschreiben, meistens düster, schwankte zwischen ruhig und orchesterartig (am ehesten wie Filmmusik) und actionreichen Stellen mit schnellem Schlagzeug und verzerrten Tönen hin und her - meistens langgezogen aber niemals langweilig und wundervoll anzuhören, wenn auch nicht zum Tanzen eher zum Kopf-im-Takt-wippen, manchmal ausfallend und fast zum Headbangen geeignet... die Leute waren ausnahmslos begeistert - tobender Applaus während der paar Parts die selbigen zuließen denn es ging fast durchgehend über ne Stunde lang so dahin (trotzdem abwechslungsreich genug die tracks) - als für mich krönenen Abschluss spielten sie als letzten Song we are the massacre der live noch viel besser klang und vor allem durch ein geniales Drum-finish beendet wurde das im Original nicht vorkommt und den Boden im Saal erzittern ließ. Zugabe gab es trotz minutenlangem Applaus leider keine, sie haben sich aber gefreut - naja, der Zeitplan hatte sich fast schon um eine Stunde nach hinten verschoben also versteh ichs *drop* Dass die so genial sind hätte ich mir nie gedacht - und das ging wohl nicht nur mir so den Reaktionen nach zu urteilen - der Tag war schon nach der 1. Band für mich gerettet (was die ausgegebnen Finanzen und die Fahrzeit anbelangt^^)... und weils schwer zu beschreiben ist gibts hier das passende mp3: we are the massacre.mp3 :)

MU: tja, vom MU hatte ich bisher noch nie was gehört - und selbst im Inet fand ich im Vorfeld keine brauchbaren Infos, dachte das wird wohl eher was mittelmäßiges zum einstreuen sein denn rein vom Namen her hört es sich gegen die anderen nicht so besonders an - eher nach einzelnem DJ... umso überraschter war ich, als eine kleine hübsche Japanerin auf der Bühne erschien - aber jetzt kommts; im Punk-Lolita-Aufzug XD und was für einem - wilde Frisur, schräg abgeschnittenes schwarzes Top mit großem aufgenähtem Anarchy-Zeichen, Nietengürtel, schwarzer Rüschen-Minirock, kniehohe weiss-schwarze Socken (keine Schuhe :D). Das war der zweite Moment an dem Abend wo ich mir dachte *WTF*, obwohl das *WTF* dachte ich mir erst richtig als die Musik losging und sie zu tanzen und singen anfing... nun - wie soll ich das beschreiben *gg* Ich denke "Kana auf Drogen gepaart mir wirklich hartem Techno" trifft es am ehesten XD (ja, das mein ich jetzt wirklich ernst! :P). Beim ersten Song war es ein pumpender, lauter Beat und sie tanzte haareraufend und aufstampfend auf der Bühne rum und sang dazu schrill ins Mikrofon - etwas das sich durch die Geschwindigkeit eher nach Chinesisch anhörte, wenn man auf einzelne Worte achtete aber eineutig japanisch war... es war bizarr anzusehen aber gleichzeitig irgendwie geil mit der Musik zusammen. Beim zweiten Song schlug es auf düster um und sie hörte sich plötzlich an wie der Leibhaftige persönlich (jaja, was sich mit Elektronik alles machen lässt :P) - war auch interessant *gg* So ging es dann mit einem ziemlich Stilmix bei Stimme/Gasang/Tanz - jedoch immer mit einem nach hartem Techno klingenden, treibenden Beat eine ganze Weile dahin und das Publikum hatte sichtlich Spaß an der Sache - sie auch. ja - recht viel mehr kann ich da auch nicht dazu sagen - aber ich fand es toll, ganz und gar nicht was ich mir erwartet hatte, aber umso besser - sie verstand es Stimmung zu machen und tanzte verdammt gut zu der Musik, Gesang war auch nicht schlecht - ein ziemlicher Mix halt was Stil und Stimmlagen anbelangt, teils auch Englisch. Schrill, schräg, punkig - ausgefallen und größtenteils recht "hart"... aber es hat einfach zu ihr gepasst und war ein netter, imo passender Kontrast *thumbsup* hab in der Zwischenzeit doch zumindest CD-Reviews von ihr gefunden - einfach mal durchlesen (besonders das 2. *gg*)

DJ Krush: der wohl ausserhalb Japans bekannteste japanische DJ überhaupt - gilt als Mitbegründer des Turntablism in Japan und hat nicht nur dort einiges in Bewegung gesetzt. Dadurch habe ich auch vorher schon von ihm gehört, seine Musik kannte ich zugegeben noch nicht. Das einzige was er zum Performen hatte waren zwei Turntables und zwei volle Vinyl-Bags... und was der Mann von der ersten Minute an daraus zauberte war ein Wahnsinn - ich kenn mich in dem Bereich absolut nicht aus, aber was man im TV heute an DJ's sieht ist ein Graus dagegen - entweder viel zu "cool" und zwar so, dass es schon wieder elendig schlecht aussieht, oder schlichtweg überfordert bzw. nur simples scratchen und 2-3x die Platte gewechselt in nem Song oder gleich gar nicht... Krush hingegen war durchgehend am werken, jeweils eine Hand für ein Turntable, fast im Minutentakt die Vinyls gewechselt (irrsinnig schnell aus den Bags gesucht, aber nicht nach Programm sondern frei) und immer in Bewegung... wirkte nie gestresst oder überheblich, wie gesagt - ich kenn mich beim Auflegen nicht aus aber der ist eindeutig ein Profi - war auch daran zu erkennen, dass die Tontechniker die an der großen Anlage zur Gesamtbeschallung standen zeitweise einen "ich pack's nicht"-Blick aufsetzten und mehr auf ihn als auf ihre Regler starrten XD Aufgelegt wurde Anfangs eher düster anmutender House (denk ich zumindsest), zwischendurch variantenreich rockig und sehr gut tanzbar mit vielen Höhepunkten und keinem einzigen Stillstand, später das selbe etwas fröhlicher und funky angehaucht aber immer wieder mit düsteren und doch schön anmutenden Stellen... schon nach wenigen Songs packte es mich und ich fand mich plötzich tanzend mitten in der Crowd wieder (auch Mu tanzte vor der Bühne mit^^), Pause gab es keine und die paar abgebremsten Stellen nutzten die Leute sofort für Applaus worüber Krush, wenn auch verhalten, sichtlich glücklich war^^ Als Zugabe gab es nen instumental Mix von John Lennons Imagine der sicher ein würdiges Ende bot. Schwer zu beschreiben - aber es war toll ihm zuzuhören und zuzusehen, er hatte Skills und Charisma zugleich, war gut drauf und gesamt passte bei der Musik alles - die Übergänge waren so gut getimed, dass man fast nicht glauben konnte, dass er das alles per Hand bewerkstelligt und nicht vorab gemixt vom Computer oder Synthie kommt... und totz der Laufzeit von sicher anderhalb Stunden (er hat etwas überzogen - aber da war ihm niemand böse^^) wurde es nicht langweilig was mir normalerweise bei House/Dance/Electo/HipHop wie er im Radio so oft als Endlosmix gespielt wird immer auffällt - Krush hingegen war irre gut drauf. Inzwischen warnen auch noch einige Leute gekommen und gegen Ende des Konzerts waren es sicher an die 300, wenn nicht mehr... und auch der letzte Act hat allen gut gefallen wie es schien, den wird dort so schnell niemand vergessen :)

begonnen wurde übrigens um ca. 22 Uhr und aus war es um halb 3 in der Früh, so viel zum Überziehen aber das war sehr gut so :)
Kritik muss ich zum Schluss allerdings auch noch loswereden (damit mir niemand was vorwerfen kann :P), es gab zwar eine Garderobe aber die war nicht besetzt bzw. geschlossen was ziemlich unpraktisch war mit dem Rucksack - er ist zwar nicht weg gekommen aber bei so vielen Besuchern keine feiner Zug vom Vranstalter... und ein noch viel größerer Kritikpunkt: es gab keine CD's und keinen Merch von den japanischen Bands zu kaufen *sucks* lediglich von der deutschen Band hatten sie ein Album... seeeehr traurig, ich hab sogar den Künstlerbetreuer von den japanern gefragt und der konnte mich nur aufs Internet verweisen - toll :( ich meine es hat sich auf alle Fälle ausgezahlt hinzufahren aber da hätte ich lieber gleich mehr Geld dort gelassen als so *drop* naja, kann man nicht ändern...

Insgesamt wars ein toller Abend (über die 1. Band seh ich mal hinweg :P) und ich bin froh dort gewesen zu sein - auch wenns teuer und anstrengend war - das war es wert und ich hoffe ich habe in Zukunft mal wieder zeit für sowas. Denn da spürt man wirklich, dass japanische Musik sogar in unseren Breitengraden begeistern kann, auch wenn es die Mehrheit schlichtweg nicht mitkriegt... aber alleine das macht mich schon glücklich und treibt die Sache etwas voran^^

so, öhm... war jetzt ein bisserl lang... sorry... das überkommt mich immer so :X :P